Emma ist tot

Emma ist tot. Mit gerade einmal neun Jahren mussten wir unsere geliebte Dackeldame heute von ihrem Leid erlösen.

Emma hatte einen Hypophysentumor. Sie lief am Ende nur noch apathisch im Kreis oder ruhelos und schreckhaft hin und her, verfing sich überall in Kabeln oder Gestrüpp, jaulte oft panisch und erkannte wohl auch niemanden mehr. Manchmal fiel sie einfach um.

Emma so zu sehen hat uns beinahe das Herz zerrissen. Ein CT brachte Gewissheit. Obwohl so ein Tumor der Hirnanhangsdrüse oft gut operabel ist, ging das bei Emma nicht mehr. Wir haben mit vielen Tierärzten gesprochen und alles beraten und versucht. Auch Bestrahlung hätte das Leiden nur noch verlängert.

Emma war eine ganz besondere Hündin. Ich hatte in meinem Leben schon viele Hunde, aber noch nie habe ich einen Hund so vor Freude tanzen sehen wie Emma, abwechselnd links und rechts mit den Vorderpfoten, rechtsrum, linksrum und zurück – man hätte einen Standardtanz nach ihr benennen können: Emmas-Jippieh-mein-Rudel-ist-wieder-da-Fox. Sie hat ihn jedes Mal aufgeführt, wenn jemand von uns nach Hause kam. Es war immer eine grandiose Show. Selbst wenn man nur ein halbes Stündchen weg war. Diesen Tanz gibt es nun nicht mehr.

Emma war ein sehr wichtiges Mitglied unserer Familie – auch und gerade in bisweilen schwierigen Zeiten. Sie hat unsere Jungs beim Erwachsenwerden begleitet, sie war es, die getröstet und abgelenkt hat, wenn gerade mal wieder etwas nicht optimal lief (was ja in Familien eher der Normalfall ist, jedenfalls in unserer). Sie hat den Laden zusammengehalten – im Zweifel indem sie darauf bestand, jetzt endlich was zu fressen oder ihren Spaziergang zu bekommen. Streit kann warten, Emma hat Hunger. Es gab hier bis heute nur eine Regel und die hieß: Dackel first. Wir hätten diese Regel gerne noch viele Jahre befolgt.

Auch hat niemand so gerne im Herbst mit fliegenden Ohren herumwehende Blätter gejagt wie Emma. Sie hat den Herbst geliebt. Ich glaube auch, dass kein anderer Hund der Welt so indigniert gucken kann wie Emma es konnte, wenn man irgendetwas von ihr verlangte, was sie als weit unter ihrer Würde empfand. Und das war im Grunde alles, was man von ihr verlangte. Und keiner und keine konnte zugleich so charmant und erfolgreich betteln. Ich behaupte: Emma hatte den reinsten, den purste Dackelblick, den es jemals gegeben hat unter Gottes umwölktem Himmel. Ihre Tänze, ihre Widerspenstigkeit, ihre Lebensfreude und ihr Charme werden uns fehlen.

In einem Haustier sieht der Mensch im Zeitraffer, was er selbst durchlebt, was wir alle durchleben, jeder und jede von uns. Werden und Vergehen, Ankommen und Abschiednehmen. Nichts ist von Dauer. Nichts. Alles geht vorüber. Alles.

Unsere Söhne haben für Emma im Garten ein Grab ausgehoben, wir haben sie gerade eben hineingelegt und Blumen darauf gepflanzt.

Wir werden Dich nicht vergessen. Leb wohl, Emma!

Jens Meyer-Wellmann
Mehr über mich unter: http://www.meyer-wellmann.de

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