Warum Frauen viel weniger verdienen als Männer

In Hamburg verdienen berufstätige Frauen nach wie vor deutlich weniger als Männer – und der Abstand zwischen den Einkommen der Geschlechter ist sogar deutlich größer als im Bundesdurchschnitt. Das hat jetzt die Antwort des Senates auf eine Kleine Anfrage der GAL-Bürgerschaftsabgeordneten Linda Heitmann ergeben. Danach verdienen männliche Arbeitnehmer in Hamburg inklusive Sonderzahlungen im Durchschnitt 4203 Euro brutto im Monat, weibliche dagegen nur 3337 Euro. Die Differenz von immerhin 866 Euro liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit liegt der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen bei 709 Euro. Nur in Baden-Württemberg ist der Abstand zwischen den Verdiensten von Männern und Frauen mit 954 Euro noch größer als in Hamburg.

Der schwarz-grüne Senat nennt in der Antwort eine Vielzahl von Ursachen für die Gehaltsunterschiede. → weiterlesen

Ole von Beust privat: Ein Spötter vor dem Herrn

Zum Abschied von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust aus dem Amt am 25. August 2010 haben die Mitarbeiter der Hamburger Senatskanzlei von journalistischen Wegbegleitern jeweils eine DIN-A 4-Seite an persönlichen Erinnerungen für Ihren bisherigen Chef erbeten. Hier mein Beitrag:

Ole von Beust ist ein durch und durch sympathischer Kerl, wie oft soll ich das noch schreiben? Einmal wollte er mir sogar ein Geschenk machen, oder besser meinen Söhnen. Auf einer der gemeinsamen Reisen (ich hatte gerade Mitbringsel für meine Brut gekauft) sagte er plötzlich: „Ich glaube, ich werde Ihren Söhnen eine Menge Musikinstrumente schenken, vielleicht ein Schlagzeug, damit sie ordentlich Musizieren können zuhause.“ Und lachte sich kaputt.

Ole von Beust und Jens Meyer-Wellmann in Dubai
Ole von Beust und Jens Meyer-Wellmann im Jahr 2006 in den Arabischen Emiraten

Überhaupt hatte er seine helle Freude daran, sich gelegentlich auf Frotzelebene zu rächen für all die Male, die ich ihm oder seinen schill-gelb-grün-schwarzen Senaten publizistisch mal wieder einen eingeschenkt hatte. Bei einer Pressekonferenz mit dem kolumbianischen Parlamentspräsidenten wies er mich vor versammelter Mannschaft darauf hin, dass ich meinen neuen Anzug mal nass ausbürsten müsse, der glänze noch so. Und freute sich.

Als ich nach meiner Spätpromotion erstmals mit dem neuen Titel auf der Liste einer Delegationsreise auftauchte, fragte er: „Na, Meyer-Wellmann, haben Sie sich den Doktor in Graz gekauft?“ Ich antwortete: „Nein, bei Konsul Weyer, war billiger.“ Ein andermal begrüßte er mich: „Oh, das Abendblatt hat seinen Spötter geschickt.“ Wobei er, wo er nicht staatstragend schreiten oder sprechen musste, stets selbst seinen Spaß am Spotten hatte, insofern gab es durchaus Ähnlichkeiten zwischen uns. Allerdings ist der Politiker natürlich potenziell im Nachteil: Ein Journalist kann ohne Pause schlaumeyern oder lästern, ein Politiker nur gelegentlich. Diese Gelegenheiten nutzte Michelalsterole in meinem Fall aber auch weidlich aus.

Ich erinnere mich an einen Stopp mit dem Reisebus an einer Tankstelle in den Arabischen Emiraten. → weiterlesen

Schwarz-Grünes Weiter-so in Hamburg:

Aufbruch geht anders

Koalitionen werden zwischen Parteien geschlossen, nicht zwischen Personen. Das ist wahr, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn mit dem Abgang Ole von Beusts verliert nicht nur die Stadt einen hervorragenden Repräsentanten und die CDU einen brillanten Wahlkämpfer. Auch das schwarz-grüne Projekt verliert sein Gesicht – just in dem Moment, in dem es mit seinem zentralen Vorhaben, der Schulreform, gescheitert ist.

Warum also sollte Schwarz-Grün weitermachen? Welche Impulse kann dieser Senat der Stadt noch geben? Was hat dieses Projekt der links- und rechtsbürgerlichen Wiedervereinigung Hamburg (außer harten Sparmaßnahmen) noch zu bieten? → weiterlesen

Unge-echte Welt

Seit ich Kinder habe, gibt es kein Thema, das mir stärker auf die Nerven geht als die Gerechtigkeit. Das liegt vielleicht daran, dass der erste grammatikalisch perfekte Satz meines jüngeren Sohnes „Papa, das ist unge-echt“ lautete. Natürlich wusste er nicht, was er sagte, aber er sagte es im Ton höchster Empörung, den er sich bei seinem großen Bruder abgelauscht hatte. Keine Ahnung, ob es darum ging, dass er einen Keks mehr wollte oder ein Stück Schokolade. Von Gerechtigkeit reden meist diejenigen, die mehr haben wollen, nicht die, die ihren Brüdern dringend etwas abzugeben wünschen.

Wenn man zwei Söhne hat, geht es (außer um Darth Vader) ausschließlich um Gerechtigkeit. Paul hat eine Minute länger vorne gesessen. Max hatte mehr Streusel auf dem Kuchen. Wieso durfte Paul fünf Bücher aus der Bücherhalle ausleihen und ich nur vier? Warum ist Max auf drei Geburtstagen eingeladen, ich nur auf zwei?

Ohne die Gnade ihrer späten Geburt hätte ich meinen Jungs längst nahegelegt: „Geht doch nach drüben, da ist es vollkommen ge-echt, da haben alle nichts und wohnen hinter derselben grauen Mauer.“ Manchmal bin ich kurz davor, eine Westerwelle-Leistung-muss-sich-lohnen-Rede zu halten. Stattdessen versuche ich→ weiterlesen

CDU in der Bürgerfalle

Der Hamburger Bürger als solcher hat ein Lob verdient. Während andernorts sorgenvoll über Politikverdrossenheit diskutiert wird, bereiten die Hanseaten ihren Regenten nicht durch Desinteresse, sondern eher durch überbordendes politisches Interesse Probleme. Das bürgerliche Engagement manifestiert sich nicht nur in immer neuen Volks- und Bürgerbegehren (die in ihrer Vielzahl freilich auch die Entwicklung der Stadt hemmen können). Es ist zuletzt auch häufiger in die Gründung von Parteien gemündet. Die Statt-Partei schaffte es in eine Koalition mit der SPD. Die Schill-Partei kam auf fast 20 Prozent. Und nun schickt sich mit den Primarschulgegnern um Rechtsanwalt Walter Scheuerl eine weitere Bürgerbewegung an, zu einer politischen Kraft zu werden.

Die drei genannten Gruppierungen mögen unterschiedlich strukturiert (gewesen) sein: Bei Schill haben sich vor allem Kleinbürger über das Versagen der SPD bei der inneren Sicherheit entrüstet; mit Walter Scheuerl empörten sich mehr Angehörige des gehobenen (Bildungs-)Bürgertums über die geplante Schwächung der Gymnasien. Und doch weisen Schill-, Statt- und Scheuerl-Gruppe eine grundlegende Gemeinsamkeit auf: → weiterlesen