Die mächtigen Manfreds: Zwei Männer mischen Hamburg auf

Kaum jemand hat in Hamburg so viel Einfluss wie BUND-Chef Manfred Braasch und Manfred Brandt von der Initiative „Mehr Demokratie“. Ein Doppelporträt.

Es gibt diese Menschen, die niemals aufhören zu kämpfen, egal ob für oder gegen etwas, die unbedingt die Welt verbessern müssen. Bei manchen weiß man nicht so recht, was sie treibt. Bei anderen schon. Bei Manfred Brandt ist es wegen Hitler. Sagt er jedenfalls. Bei Manfred Braasch eher wegen des Schierlingswasserfenchels.

Manfred Braasch (BUND)

Manfred Brandt (Mehr Demokratie, 69, links)
und Manfred Brandt (BUND, 50)

Die beiden Manfreds, der eine Jahrgang 1945, der andere 1964, gehören zu den einflussreichsten Männern Hamburgs, auch wenn sie nie in ein Parlament oder ein Amt gewählt wurden. Der 69jährige Moorburger Agrarwissenschaftler Brandt hat seit 1997 mit der Initiative „Mehr Demokratie“ maßgeblichen Anteil an der Stärkung der direkten Demokratie mittels Bürger- und Volksentscheiden – und an der nicht überall begrüßten Reform des Hamburger Wahlrechts. Jetzt schickt er sich an, mit einer neuen Volksinitiative die Bezirke zu echten Kommunen zu machen – und damit faktisch den Stadtstaat Hamburg zu zerschlagen, wie seine Gegner fürchten. Kürzlich fragte CDU-Bürgermeisterkandidat Dietrich Wersich deswegen: „Was ist eigentlich schlimmer für Hamburg: der Große Brand von 1842 oder Manfred Brandt mit seiner Initiative?“

Der fast 20 Jahre jüngere Manfred Braasch, Hamburger Geschäftsführer des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND), ist vielen in Politik und Wirtschaft vermutlich sogar noch lästiger. Er hat den SPD-Senat im vergangenen Jahr mit der Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ per Volksentscheid zum Rückkauf der milliardenteuren Energienetze gezwungen. Gegen den Willen von SPD, CDU, FDP, weiten Teilen der Wirtschaft, Vattenfall und E.on. Zusammen mit anderen hat der BUND die Elbvertiefung mit Hilfe einer Verbandsklage über Jahre verzögert. Am 2. Oktober 2014 entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nun abschließend, ob die Fahrrinne erneut angepasst werden darf. Urteilt sie zugunsten der Natur und ihrer bedrohten Pflanzen wie dem Schierlingswasserfenchel und gegen eine erneute Flussvertiefung, hätte das gravierende Auswirkungen für die Hafenwirtschaft. Denn viele der immer größer werdenden Containerschiffe könnten die Stadt dann künftig wohl nicht mehr erreichen. Genau eine Woche später, am 9. Oktober, verhandelt auch das Verwaltungsgericht in Hamburg über eine Klage von Braaschs BUND. Weil die Stadt seit Jahren die EU-Grenzwerte bei den giftigen Stickstoffdioxiden verletzt, könnten die Richter den Senat zu drastischeren Maßnahmen zwingen – etwa zur Einrichtung einer Umweltzone, einer City-Maut oder zu neuen Tempolimits.

Für viele ist der mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Lüneburg lebende Ernährungswissenschaftler längst der heimliche Oppositionsführer – eine Art Springteufel der Hamburger Politik. Egal, worum es geht, irgendwann kommt ganz sicher Manfred Braasch mit einer Klage oder einer Volksinitiative um die Ecke. Dass Bürgermeister Olaf Scholz nicht jedes Mal die Hände vors Gesicht schlägt, wenn der Name Braasch fällt, liegt vermutlich nur daran, dass diese Geste nicht zu seinen Reaktionsmustern zählt.

Der gelernte Drucker
Manfred Braasch mit
Druckschiff im Museum der Arbeit

Dabei sind sich Scholz und Braasch gar nicht unähnlich. Keiner von beiden ist ein Volkstribun, der volle Säle zum Tosen bringt. Beide beziehen ihre Überzeugungskraft aus dem nüchternen Argument, aus Faktensicherheit und dem emotionslosen Appell an die Vernunft. Braasch ist keiner, der mit vollem Herzen Barrikaden anzündet, der jederzeit losrennen könnte, um irgendeine Bastille zu erstürmen. Er schäumt nicht über, er lodert nicht, er wedelt auch nicht wild mit den Armen, wenn er spricht. Stattdessen blickt er ernst und bisweilen ein wenig schalkhaft durch seine nicht ganz dünnen Brillengläser, argumentiert und argumentiert, zählt, während man bei seinem Lieblingsitaliener an der Langen Reihe Nudeln isst, Urteile auf, zitiert Gutachten und beißt zwischendurch in aller Gemütsruhe in seine Spinat-Cannelloni. Langsam kauen, schlucken, dann das nächste Argument. Alles ganz klar. Wie das Wasser in seinem Glas. Dieser Mann ist einfach sicher, dass er Recht hat. Warum also sollte er die Stimme heben? Warum mit den Armen rudern oder die Fäuste recken?

Auch der ältere der mächtigen Manfreds, Manfred Brandt, ist eher der Gegenentwurf zu einem Cliché-Radikalinski. Der frühere FDP-Kommunalpolitiker ist klein und ein bisschen rundlich, sein Händedruck ist rau und kräftig, er spricht langsam und leise, kneift verschmitzt die Augen zusammen und rollt das R. Wenn er in Moorburg auf seinem alten Hanomag-Trecker sitzt oder in einem seiner Bäume Kirschen pflückt, sieht er aus, wie einer, der den Obsthof der Familie niemals verlassen hat. Einer, der der Scholle treu und immer auf dem Boden geblieben ist. Und ganz falsch ist das ja auch nicht. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte dieses Mannes ist kein Obstbauer, sondern ein politischer Missionar. Und das hat mit Hitler zu tun.

Nicht nur weil es Hitler und seine Nationalsozialisten waren, die 1937 mit dem Groß-Hamburg-Gesetz die kleinen Gemeinden der großen Hansestadt zuschlugen, ihnen die Eigenständigkeit nahmen und eine zentralistische Einheitsgemeinde schmiedeten – die Brandt nun gerne wieder zugunsten stärkerer Bezirke schwächen will. Auf die Frage, was ihn zu diesem endlosen Kampf für mehr Basisdemokratie treibt, sagt er: „Ich frage mich bis heute, wie Hitler möglich war.“ Nicht im Volk hätten die Nazis eine sichere Mehrheit gehabt, glaubt Brandt. „Aber im Parlament waren die überzeugten Demokraten in der Minderheit.“

"Mehr Demokratie"-Vorstand Manfred Brandt

Obtsbauer und Revolutionär:
Manfred Brandt im
Moorburger Kirschbaum

Nach dem Krieg ist Brandt, der mit zwei älteren Brüdern und einer Zwillingsschwester aufwuchs, mit seinem Vater regelmäßig zum Großmarkt gefahren. Das mit den sechs Millionen Juden, das stimme doch gar nicht, erzählten sie da. Oder: „Demokratie, das ist nichts für uns Deutsche.“ Heute redeten manche in früheren Ostblockstaaten so über Demokratie, sagt Brandt und lacht für den Fotografen von seinem alten, kleinen Traktor – nicht ohne schnell den alten Klassiker loszuwerden: „Zwei Kilo Schrott, ein Kilo Lack, fertig ist der Hanomag.“

Im Grunde sei auch Willy Brandt noch zu misstrauisch gewesen, findet er. Mehr Demokratie wagen, schön und gut. „Aber wieso sollte Demokratie denn ein Wagnis sein?“ Wenn etwas gegen mörderische Figuren wie Hitler helfe, dann sei es gerade die Demokratie, so sieht Manfred Brandt das, ein System, in dem die Menschen wirklich mitreden und mitbestimmen können.

Aber Hitler ist nicht der einzige Grund. Brandts Beharrlichkeit lässt sich nicht ohne die Weiterlesen →

Kurzatmige Politik: Hamburg tut zu wenig gegen Gifte in der Luft

Seit Jahren überschreitet die Belastung der Luft in Hamburg die von der EU festgelegten Grenzwerte beim giftigen Stickstoffdioxid. Nun müssen Richter über schärfere Maßnahmen entscheiden. Ein Kommentar.

Bekanntlich ist alles im Leben relativ. So ist auch die Luft in Europa, Deutschland und Hamburg relativ gut – jedenfalls im Vergleich mit Städten wie Peking, wo man im Grunde rund um die Uhr eine Sauerstoffmaske tragen sollte, weil jedes Einatmen einem Zug an einer ganzen Schachtel Kippen gleichkommt. Nimmt man allerdings Abstand von solchen Vergleichen mit den Klassenschlechtesten in Sachen Gesundheitsschutz, dann zeigt sich schnell ein ganz anderes Bild.

Gefährlich für die Gesundheit ist vor allem die Belastung der Luft mit Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid. Die Atemgifte, deren Hauptquellen der Kraftfahrzeugverkehr und Schiffsabgase sind, können zu chronischem Husten, Bronchitis, Asthma, Entzündungen oder Lungenkrebs führen. Vorbelastete Menschen, Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet. Nach einer neueren Studie des Helmholtz-Zentrums kann Luftverschmutzung auch zu ganz anderen Erkrankungen führen, etwa zum Auftreten von Insulin-Resistenzen, einer Vorstufe der Diabetes.

Erstaunliche Dickfelligkeit der (Stadt-)Regierungen

Angesichts solcher Erkenntnisse ist es erstaunlich, mit welcher Dickfelligkeit europäische (Stadt-)Regierungen seit Jahren über die permanente Verletzung von Grenzwerten hinwegsehen. Bereits 1999 setzte die EU fest, dass die Belastung mit Stickstoffdioxid im Jahresdurchschnitt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten soll. Seit 2010 sind die Grenzwerte rechtsverbindlich. Damit hatten Staaten und Städte bis heute 15 Jahre Zeit, sich auf die neuen Regelungen einzustellen. Aber offenbar haben sie das Problem der Luftbelastung schlicht ignoriert – und gehofft, es werde sich durch technische Neuerungen quasi automatisch erledigen. Das war ein Irrglaube. Auch vier Jahre nach Infrafttreten der Regelung werden die Grenzwerte in Dutzenden von deutschen und europäischen Städten überschritten.

Weil es viele betrifft, zeigt einer auf den anderen – dabei sind Feinstäube und Stickoxide ja nicht weniger giftig, weil so viele europäische Städte das Thema ignorieren. Das Umweltbundesamt prophezeit mittlerweile, dass das Problem bis 2030 nicht gelöst sein wird, wenn die Politik weiter so behäbig damit umgeht. Auch in Hamburg wird zu wenig für die Luftreinhaltung getan. Immer mehr Kreuzfahrtschiffe und der wachsende Straßenverkehr haben die Belastung konstant hoch gehalten. Erst spät hat der SPD-Senat einen Luftreinhalteplan vorgelegt. Dessen Maßnahmen gehen zwar in die richtige Richtung, fallen aber in der Summe so halbherzig aus, dass der Senat selber zugibt, dass man damit die Grenzwerte nicht wird einhalten können.

Bloß nicht mit Autofahrern und Kreuzfahrern anlegen!

Offenbar will man das auch gar nicht – denn dafür müsste man womöglich mit Autofahrern oder Kreuzfahrtunternehmen in den Clinch gehen. Oder sich beim Bau einer Stadtbahn (die null Abgase im Verkehr hinterlässt) mit Anwohnern herumärgern. Nein, dann nimmt man im Rathaus doch lieber Gesundheitsgefahren für die Bürger und Bußgelder der EU in Kauf.

Vielleicht hofft man in der SPD auch auf die Verwaltungsrichter, die im Oktober über eine Klage von BUND und eines Bürgers zu Gericht sitzen, die drastischere Maßnahmen fordern. Wenn die Richter ähnlich entscheiden wie ihre Münchner Kollegen, könnte der Senat bald zu radikalen Schritten gezwungen sein: Von Umweltzone über Tempolimits oder City-Maut wäre dann vieles denkbar. Im Rathaus könnte man sich gleichwohl unschuldig geben und sagen: Wir wollten das ja nicht – wir wurden gezwungen.

Das mag politisch pfiffig sein. Mutige Politik im Sinne von Umwelt und Gesundheit ist das nicht.

Erschienen am 11. August 2014 in WELT und HAMBURGER ABENDBLATT. Der am selben Tag in WELT und HAMBURGER ABENDBLATT erschienene Nachrichtenartikel zum Thema findet sich hier

Hamburg in der (Welt-)Literatur – eine (nicht ganz) zufällige Zusammenstellung

Vor ein paar Wochen hatte ich um Hilfe für einen Artikel zum Thema Hamburg in der (Welt-)Literatur gebeten. Auch dank vieler Rückmeldungen auf Facebook und im Blog entstand schnell eine ziemlich lange Liste. Ich habe daraus subjektiv dies und das ausgewählt und es mal in einem Text zusammengefasst, der jetzt (etwas kürzer als in der Blog-Version auch) in der “Welt am Sonntag” erschienen ist. Ein Kriterium bei der Auswahl war für mich, dass Hamburg nicht der alleinige Handlungsort und der Autor  kein Hamburger sein sollte. Es ging mir mehr um eine Außensicht auf die Stadt. Herzlichen Dank an alle Mithelfenden!

Natürlich ist es für die Hamburger eine kaum zu übertreffende Freude, wenn ihre Stadt in der Weltliteratur erwähnt wird und dabei auch noch gut weg kommt (während den Berlinern so etwas völlig wumpe ist). Das mag daran liegen, dass die Hamburger selbstverliebter und verliebter in ihre Stadt sind, als es mit dem angeblich so dezenten Hanseatentum vereinbar ist, das sie stets vor sich hertragen. Man weiß nicht genau, ob sie sich ihre Dezenz nur einbilden, oder ob es sich um eine dezente Eingebildetheit handeln.

So oder so: Zu steigern ist die Lust nur noch, wenn im selben Buch schlecht über Bremen geschrieben wird. Demnach müsste der 2004 erschienene Roman 2666“ von Roberto Bolaño bald Zwangslektüre in allen Hamburger Literaturseminaren werden.

IMG_2713In dem Roman des so jung in Spanien gestorbenen Chilenen, der von der internationalen Kritik als eines der besten Bücher mindestens des vergangenen Jahrzehnts gefeiert wurde, geht es um alles, was das menschliche Dasein ausmacht: um Sex und Gewalt, um Kunst und Verbrechen (etwa die Mordserie an Frauen in Mexiko), um Liebe und Tod – und um Literatur. Dass bei dieser Tragweite eine Weltmittelstadt wie Hamburg schon auf der ersten Seite auftaucht, darf einen Hanseaten mit diskretem Stolz erfüllen.

Ausgerechnet in Hamburg sucht in 2666 eine Horde trauriger Germanisten nach den Spuren des verschollenen Autors Archimboldi, der zu Beginn seiner Karriere von einem Hamburger Verleger unter Vertrag genommen worden war. Einer der Literatur-Detektive „schrieb an den Hamburger Verlag … erhielt aber nie eine Antwort”, heißt es auf der ersten Seite von 2666 – was immerhin kein Klischee ist, denn es steht eher zu vermuten, dass Hamburger in Wahrheit schnell und verbindlich antworten. Alte Kaufmannstugend. Aber vielleicht ist auch das bloß ein Stereotyp.

Später kommen Bolaño und seine Figuren dem Klischee schon näher, denn als sie nichts anderes zu tun haben, machen die Germanisten Pelletier und Espinoza einen Spaziergang durch die Stadt und landen unweigerlich auf dem Kiez, also im „Viertel der Prostituierten und Peep Shows”. Das allerdings hat auf die Männer nicht den gängigen Effekt, denn es macht sie beide so melancholisch, „dass sie einander von verflossenen Lieben und Enttäuschungen zu erzählen begannen”.

Tatsächlich hat der kurze Spaziergang dieser beiden Figuren von literarischem Weltrang eine heilende Wirkung. Denn als die Verlegerwitwe Bubis, die sie in einem „Altbau in einem Hamburger Nobelviertel” besuchen, ihnen bei der Suche nach dem verschollenen Autor nicht hilft, wird den beiden Literaturwissenschaftler auf „Sankt Pauli” schließlich klar, dass die Suche ihr Leben sowieso „niemals würde ausfüllen können”. Und als wichtigste in Hamburg gewonnene Erkenntnis begreifen Pelletier und Espinoza, „dass sie Liebe, nicht Krieg machen wollten“.

Genauso erbaulich wie diese Lehre oder Lebensentscheidung, die der Franzose und der Spanier von hier mitnehmen, ist für einen Hamburger die bösartige Beschreibung Bremens, wo sich die vier Hauptfiguren zu einem Kongress treffen. Sie essen in einem Restaurant „in einer dunklen, von alten hanseatischen Häusern gesäumten Straße, von denen einige aussahen wie ehemalige Verwaltungsgebäude der Nazis”.

Das Lokal, zu dem „einige wenige regennasse Treppenstufen hinunterführten”, konstatiert eine von ihnen, „könnte scheußlicher nicht sein”. Die Stadt ist nass und die Lichter leuchten überall, „als wäre Bremen eine Maschine, durch die von Zeit zu Zeit kurze, heftige Stromstöße zuckten”.

Natürlich hat Hamburg mehr zu bieten als erfundene Schriftsteller wie den verloren gegangenen Archimboldi – nämlich echte und berühmte Autoren. Zugleich hat die Stadt aber immer wieder auch als Bühne für bekannte Romane gedient und ist dabei nicht nur gut weggekommen.

BuddenbrooksIn den Buddenbrooks von Thomas Mann etwa stammt der skrupellose Kaufmann und spätere Pleitier Bendix Grünlich aus Hamburg. Der als ziemlicher Widerling gezeichnete 32-Jährige trägt einen Backenbart, „von ausgesprochen goldgelber Farbe“ und hat blaue Augen, die Tony Buddenbrook an die einer Gans erinnern. Trotzdem heiratet sie ihn von der Familie gedrängt. Tony bringt 80.000 Mark mit in die Ehe und bekommt in Hamburg eine Tochter von dem Gelbbart, der es nur auf ihr Geld abgesehen hat – und dennoch pleite geht, woraufhin Tony nach Lübeck zurückkehrt.

Neben solchen Verschlagenheiten mancher Kaufleute und einer zum Teil „sittenlosen Gesellschaft“ steht Hamburg aus der Sicht der Lübecker Buddenbrooks aber stets auch für das Neue, das Moderne und Noble, für die feinste Kleidung und die „reichen Verwandten“.

Weitaus fantastischer geht es in Jules Vernes 1864 erschienen Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ zu, in dem der Hamburger Professor Otto Lidenbrock mit Hilfe eines geheimen Dokumentes den Weg durch einen Vulkan zum Erdmittelpunkt findet. Lidenbrock, der „Oheim“ des Ich-Erzählers, „wohnte auf der Königsstraße in einem eigenen kleinen Hause, das halb aus Holz, halb aus Ziegelstein gebaut war, mit ausgezacktem Giebel“, heißt es in dem Buch. „Es lag an einem der Canäle, welche in Schlangenwindungen durch das älteste Quartier Hamburgs ziehen, das von dem großen Brand im Jahre 1842 glücklich verschont wurde; sein Dach saß ihm so schief, als einem Studenten des Tugendbundes die Mütze auf dem Ohr; das Senkblei durfte man an seine Seiten nicht anlegen; aber im Ganzen hielt es sich fest, Dank einer kräftigen in die Vorderseite eingefügten Ulme, die im Frühling ihre blühenden Zweige durch die Fensterscheiben trieb.“

Dass Jules Vernes Hamburg zum Schauplatz wählte dürfte mit einer Reise zu tun haben, die er 1861 von Paris über Hamburg nach Skandinavien unternahm, und von der Tagebuchaufzeichnungen erhalten sind.

Wo wir gerade im 19. Jahrhundert und beim Großen Brand sind: Natürlich kommt Hamburg auch in Heinrich Heines satirischem Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ aus dem Jahr 1844 vor. Zwei Jahr zuvor hatte das Feuer weite Teile der Altstadt zerstört und so dichtet Heine: „Die Stadt, zur Hälfte abgebrannt, wird aufgebaut allmählich; wie ’n Pudel, der halb geschoren ist, sieht Hamburg aus, trübselig. Gar manche Gassen fehlen mir, die ich nur ungern vermisse – wo ist das Haus, wo ich geküsst der Liebe erste Küsse?“

Immerhin kann sich der trauernde Dichter an den Hamburger Delikatessen trösten: „Als Republik war Hamburg nie so groß wie Venedig und Florenz, doch Hamburg hat bessere Austern; man speist die besten im Keller von Lorenz.“

220px-TheTempleIm 20. Jahrhundert wird Hamburg in den Romanen bisweilen zu einem Sinnbild für körperliche Freiheit und Lebenslust, aber auch für die Verruchtheit, die eine Hafenstaat mit notorischer Prostitution und Bordellen bis in weite Ferne ausstrahlt. Für den britischen Schriftsteller Stephen Spender stehen Deutschland und Hamburg im 1930 geschriebenen Roman „Der Tempel“ für eine Welt der Offenheit gegenüber Sexualität Weiterlesen →

Wenn Bürgermeister reisen:
Skandälchen gibt’s immer

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz fliegt nach Schweden. Irgendein Skandälchen wird es sicher auch in Skandinavien geben. Denn kaum eine Bürgermeisterreise kommt ohne echten oder künstlichen Eklat aus. Ein kleiner Rückblick auf die Aufreger der jüngeren Reisen der Senatschefs – in diesem Text, der am Ende der Südamerikareise von Scholz im April 2013  in der “Welt am Sonntag” gedruckt wurde. 

Natürlich gab es auch diesmal einen Skandal, oder sagen wir: ein Skandälchen. Es hat ja im Grunde kaum eine Bürgermeisterreise ohne irgendeinen Eklat gegeben.

Was nicht unbedingt etwas über die Integrität oder Professionalität der Hamburger Senatschefs oder ihrer Stäbe aussagt – aber sehr viel über die Gruppendynamik dieser Reisen, auf denen standesbewusste Unternehmensführer, bisweilen sehr spezielle Wissenschaftler, PR-süchtige Politiker und dauererregte Journalisten miteinander ins Geschäft kommen müssen und einander dabei tagelang nicht entfliehen können.

Egal ob in China, Indien, Arabien oder Südamerika: Man sitzt in diesen Delegationen vom Frühstück bis zum nächtlichen Caipi zusammen, in Konferenzsälen, Flugzeugen, Schiffen und Bussen. Immer etwas gestresst, bisweilen zugleich müde und aufgekratzt. Man hetzt gemeinsam durch die voll gepackten Tage und irgendwann ist es so, als reise man mit Freunden.

Das ist natürlich ein Irrtum, denn jeder verfolgt ja seine eigenen Interessen. Der politische Stab will den Bürgermeister im besten Lichte sehen. Die mitgereisten Parlamentarier der Opposition fühlen sich notorisch benachteiligt und müssen, das ist ihr Job, öfter mal herumkritteln. Die Unternehmer wollen Geschäfte machen.

Olaf Scholz vor der Kaffeebörse in Santos

Olaf Scholz vor der Kaffeebörse in Santos

Und die Journalisten suchen inmitten all der langweiligen Termine in Regierungsgebäuden und Konzernzentralen ständig nach Geschichten, die mehr Sex haben als das Händeschütteln und die blechernen Statements älterer Herren (Damen kommen auf solchen Reisen weniger vor). Schließlich stehen Medienleute (wie Politiker) unter Rechtfertigungsdruck: Warum überhaupt macht man solche Reisen? Was das wieder kostet!

So entsteht ein Biotop, in dem nichts besser gedeiht als der Weiterlesen →

Heino, Godwin und der Undercut

In dieser Woche kam ein halbwüchsiger Verwandter zu Besuch, und ich war, als ich ihm öffnete, kurz davor, mit den Hacken zu knallen und eine schon länger verbotene Grußgeste zu machen. Der Junge war gerade beim Friseur gewesen, und was er jetzt auf dem Schädel trug, erinnerte mich an Sportpalast, Fackelmärsche und völkisches Gedröhne. Rundrum ausrasiert und oben etwas länger.

„Warum hast du dir denn einen Nazischnitt zugelegt?“, fragte ich. Woraufhin er antwortete, das sei ein völlig unpolitischer, aber “total angesagter” Undercut. Marco Reus trage das auch so, und außerdem: „Seit wann hast DU Ahnung von Haaren? Du hast doch seit 30 Jahren keine Bürste mehr benutzt.“

Nazivergleiche gehen eben immer schlecht aus für den, der sie zieht. Nach Godwin’s Law mündet übrigens jede Debatte über kurz oder lang in einen Nazivergleich, jedenfalls im Internet. Gemäß einer Weiterentwicklung dieses Gesetzes ist es ratsam, die Diskussion in diesem Fall sofort mit einem schneidigen „Godwin!“ zu beenden. Denn Debatten, in denen Hitler bemüht werde, seien ohnedies intellektuell am Ende.

Was nicht bedeutet, dass der Hamburger HipHopper Jan Delay ein Intellektueller war, bevor er jetzt den Volkssänger Heino als Nazi bezeichnete. Denn genau genommen war das ja gar kein Vergleich.

Erschienen am 27. April 2014 in der Rubrik “Nordlicht” der “Welt am Sonntag” und am 29. April 2014 als “Zwischenruf” im “Hamburger Abendblatt”. 

 

Von unten, ohne Sahne

Telemichel

Wirklich schade, dass es seit Jahren schon kein Café mehr oben auf dem Hamburger Fernsehturm gibt.

Ich erinnere mich noch, wie ich in den späten 1980ern da oben Erdbeerkuchen mit Sahne gegessen habe.

Gibt es eigentlich irgendeine andere Stadt, in der es aus Brandschutzgründen nicht möglich ist, einen Blick vom Fernsehturm zu werfen?

Einziger Trost: Von unten sieht der Telemichel auch ganz schick aus. Außerdem soll Sahne ja angeblich fett machen.

 

 

Die U-Bahn-Pläne des Hamburger Senates: Bisher nur eine schwammige Vision

Hamburger Rathaus, 9. April 2014, gegen 13.20 Uhr

Vorstellung des U-Bahn-”Konzeptes”.
Rathaus Hamburg, 9. April 2014, 13.20 Uhr.

Es heißt ja, man sei immer klüger, wenn man aus dem (Hamburger) Rathaus komme. Für mich galt das heute nicht. Ich war bei einer außerordentlichen Landespressekonferenz, die ausnahmsweise nicht im großen Raum 151, sondern im ziemlich überfüllten, weil viel kleineren Raum 186 im ersten Stock stattfand. Gerufen hatten Wirtschaftssenator Frank Horch und Hochbahn-Chef Günter Elste – zur Vorstellung ihres “Konzeptes” für eine neue Hamburger U-Bahnlinie, die U5, über das wir bereits am Dienstag vorab berichtet hatten. Mich hat das, was die beiden Herren heute ab 13.30 Uhr gesagt, oder besser: nicht gesagt haben, nicht wirklich klüger gemacht. Das lag vielleicht auch daran, dass die SPD ihre Pressekonferenz offenbar extra kurz vor der Bürgerschaftssitzung anberaumt hatte – was dazu führte, dass wir Journalisten am Ende gar nicht alle unsere Fragen loswurden. Was bei einem solchen Milliarden-Projekt, wie ich finde, ein unangemessener Umgang mit Medien und Öffentlichkeit ist. Aber selbst die Fragen, die gerade noch gestellt werden konnten, wurden nicht offen beantwortet. Ich habe zu dem Thema U-Bahn und zu der Art der Präsentation des Projektes den folgenden Kommentar für das Abendblatt vom 10. April 2014 geschrieben.

Die Rechnung bitte!

Bürgermeister Olaf Scholz muss sagen, wie er seine neue U-Bahn bezahlen will

Man kann diese Pressekonferenz auch als Tabubruch lesen. Da setzten sich also am Mittwoch der parteilose Wirtschaftssenator Frank Horch und der Hochbahn-Chef Günter Elste (SPD) im Rathaus vor die Presse und verkündeten ein „Jahrhundertprojekt“, wie es Elste selbst nannte. Sie wollen eine neue U-Bahnlinie bauen, die Bramfeld und Osdorf über die Innenstadt verbindet und nach derzeitigen Schätzungen bis zu 3,8 Milliarden Euro kosten könnte.

Klar: So eine U5 wäre eine dolle Sache. Nicht nur für die Menschen in Bramfeld, Steilshoop, Osdorf und Lurup – sondern für die ganze Stadt. Dummerweise konnten die beiden Herren aber nicht so genau sagen, wer ihr Jahrhundertprojekt bezahlen und wann mit dem Bau begonnen werden soll. Stattdessen erzählte der Wirtschaftssenator von der Fortsetzung der Arbeit unserer Vorväter und verstieg sich zu der Aussage, es sei bei solchen Grundsatzentscheidung nicht so wichtig, ob ein Streckenkilometer 50 oder 100 Millionen Euro koste.

Als Hamburger zuckt man schon beim Begriff „Jahrhundertprojekt“ seit einer Weile reflexhaft zusammen. Ein solcher Satz von einem Wirtschaftssenator, in der ihm eigenen laxen Art dahingesagt, lässt einen dann richtig schaudern. Denn das erinnert an die Aussage von Ex-Bürgermeister Ole von Beust beim Blick auf das von ihm angerichtete Elbphilharmonie-Desaster: Wer sich jemals Weiterlesen →

Hamburg in der modernen
(Welt-)Literatur – Beginn einer Suche

Eine Einladung zur gemeinsamen Sammlung von Hamburg-Stellen in der internationalen Belletristik

Natürlich war das eine womöglich peinliche, auf jeden Fall pathetische Erregung. Aber als ich vor ein paar Jahren den Roman 2666 las, habe ich mich über alle Maßen gefreut, dass darin schon auf der ersten Seite von Hamburg die Rede ist. Ich hatte gar nicht damit gerechnet.

Hamburg. Der Spaziergang führte sie unweigerlich ins Viertel der Prostituierten und Peep Shows

…unweigerlich ins Viertel
der Prostituierten und Peep Shows…

Immerhin hat das monumentale Werk des schon so jung gestorbenen chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño fast 1100 Seiten. Es geht in dem Roman, falls es überhaupt ein Roman ist, um alles, was das menschliche Dasein so ausmacht, um Sex und Gewalt, um Kunst und Verbrechen, Liebe und Tod, um die Morde an jungen Frauen in Mexiko, um Literatur, das Universum und den ganzen Rest, den ich aus Platzgründen hier nicht auch noch erwähnen kann. Vielleicht muss man nur noch hinzufügen, dass alle immerzu energisch gegen ihre Ängste anvögeln, wenn diese grobe Zusammenfassung hier gestattet ist.

Und es geht bei all dieser Tragweite trotzdem auch noch um Hamburg (was den Lokalpatrioten in mir weckte, von dem ich gerne behaupte, er existiere gar nicht). Außerdem geht es auch um Bremen. Hamburg aber ist natürlich viel wichtiger, weil nämlich ein vermisster Autor namens Archimboldi, der von einer Horde trauriger Germanisten gesucht wird, am Beginn seiner Schriftstellerkarriere von einem Hamburger Verleger unter Vertrag genommen wurde.

Am Fuß der ersten Seite dieses aberwitzigen Buches  (von dem ich später einmal gedacht habe, es könne eines der entfernten Vorbilder für Herrndorfs “Sand” gewesen sein), heißt es also: “Er schrieb an den Hamburger Verlag, in dem D’Arsonval erschienen war, erhielt aber nie eine Antwort.” Das ist immerhin kein Klischee, jedenfalls kein mir bekanntes: dass Hamburger nicht antworten, auf Briefe oder sonst irgendwelche formalen Anrufungen. Ich hatte das immer eher umgekehrt eingeschätzt: Hamburger antworten schnell und verbindlich. Alte Kaufmannstugend.

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Schweigend kehrten sie
mit dem Taxi ins Hotel zurück

Später kommen Bolaño und seine Figuren dem Klischee schon näher, denn als sie nichts anderes zu tun haben, machen die beiden Germanisten Pelletier und Espinoza einen Spaziergang durch die Stadt und landen (natürlich) unweigerlich auf dem Kiez, also im “Viertel der Prostituierten und Peep Shows”. Das allerdings hat auf die Männer nicht den üblichen Effekt, denn es macht sie beide so melancholisch, “dass sie einander von verflossenen Lieben und Enttäuschungen zu erzählen begannen”.

Tatsächlich hat der kurze Spaziergang dieser beiden Figuren von literarischem Weltrang (was keine Übertreibung ist, denn 2666 gehört zweifelsfrei zu den weltweit am meisten und vollkommem zu Recht hymnisch gefeiert Büchern der vergangenen Jahrzehnte) . . .  - hat also dieser Spaziergang durch “Sankt Pauli”, wie es ein paar Seiten weiter heißt, eine heilende Wirkung auf die unterdessen berühmt gewordenen Herren Pelletier und Espinoza. Und das trotz der Enttäuschung, die sie beim Besuch der Verlegerwitwe Bubis in einem “Altbau in einem Hamburger Nobelviertel” erleben: Diese kann oder will ihnen bei der Suche nach dem verschollenen Autor nämlich nicht helfen.

Umso besser, dass den beiden Literaturwissenschaftler auf “Sankt Pauli”  klar wird, dass die Suche nach dem verschollenen Autor ihr Leben sowieso “niemals würde ausfüllen können”. Und dann gibt es noch eine andere, vielleicht die wichtigste Erkenntnis, die sie aus Hamburg mitnehmen: “Pelletier und Espinoza begriffen in Sankt Pauli (…), dass sie Weiterlesen →

Netzigkeiten werden zu Hamburg-Notizen

Es gibt in Hamburg bekanntlich hin und wieder diese Tage, an denen man nicht sicher sein kann, dass es jemals wieder aufhört zu regnen. Am besten fährt man dann an die Elbe, denn eines der unergründlichen kosmischen Gesetze besagt: Sobald genügend Hamburger trotz Schietwetter guter Dinge am Elbstrand spazieren gehen, beginnt die Sonne neugierig durch die Wolken zu glotzen. Mancher aber…

hamburg10k

…bleibt manchmal doch lieber zu Hause. Und bastelt an seinem Blog. Das habe ich selbst zum Beispiel am Sonnabend getan – und aus den Netzigkeiten sind dabei die Hamburg-Notizen geworden. Netzigkeiten, das war zunächst ja nur nur ein Arbeitstitel aus einem verkorkstes Wortspiel, nun also endlich hinfort damit. Ab jetzt ist diese Seite unter hamburgnotizen.de und hamburg-notizen.de erreichbar.

Außerdem habe ich dem Blog ein neues Layout verpasst – mit Hilfe des schön schlichten Graphy-Themes von WordPress. Vorteil: Es ist “responsive”, sollte sich also auf mobilen Geräten genauso gut lesen lassen wie auf stationären. (Ein bisschen rumfrickeln muss ich noch immer, z.B. bei der Header-Breite, damit die Titelzeile nicht auf manchen  Geräten so hässlich umbricht…)

Oben im Menü findet sich nun ein Link zu meinen liebsten Hamburg-Fotos. Falls jemand meine Bilder für sich nutzen möchte, wäre ich dankbar für einen kurzen Hinweis per Mail und eine Quellenangabe am Ort der Nutzung.

Ich habe mir übrigens fest vorgenommen, die Hamburg-Notizen intensiver zu pflegen als zuletzt die Netzigkeiten. Ob das gelingt, liegt allerdings nicht allein in meiner Macht. Hängt ja auch vom Wetter ab.

Die Fehler des Hamburger SPD-Senates beim Rückkauf der Energienetze

Per Volksentscheid haben die Hamburger im September 2013 knapp für einen vollständigen Rückkauf der Energienetze in ihrer Stadt votiert. SPD-Bürgermeister Olaf Scholz hat zugesagt, das Vorhaben professionell umzusetzen und damit auch energisch begonnen – obwohl er gegen den Kauf war. Nun aber zeigen sich erste gravierende Probleme. Möglicherweise könnte der Rückkauf sogar noch scheitern. Daran ist Scholz selbst nicht ganz unschuldig. Ein Kommentar. 

Eigentlich war es ein guter Moment für Olaf Scholz, als er am Vormittag des 16. Januar im Rathaus vor die Presse trat. Zwar hatte der Bürgermeister lange gegen den vollständigen Rückkauf der Energienetze gekämpft. Nun aber war es immerhin gelungen, den wichtigsten Teil des Volksentscheids fristgemäß umzusetzen.

Landespressekonferenz am 16. Januar 2014

Landespressekonferenz am 16. Januar 2014

Das Stromnetz war gekauft, der Rückkauf der Fernwärme vereinbart. Aus der Niederlage bei der Abstimmung im September hatte Scholz, ganz überzeugter Demokrat und solider Handwerker, einen kleinen Sieg gemacht. Selbst die Berufskritiker vom BUND und die Grünen zollten ihm Respekt.

Nur ganz kurz wurde der Senatschef an jenem Vormittag ein wenig fünsch: Als jemand fragte, warum denn die Fernwärme erst 2019 gekauft werde, wo der Volksentscheid den vollständigen Rückkauf doch für 2015 verlange. Schmallippig antwortete Scholz, dass der Entscheid ja nur „zulässige Schritte“ vorsehe und dass die Abmachung mit Vattenfall anders nicht möglich gewesen sei. Weitere Nachfragen gab es nicht.

Im Nachhinein lässt sich der Unmut des Bürgermeisters womöglich besser verstehen. Denn mittlerweile wird immer klarer, dass Weiterlesen →