Ein gelegentlicher Schuss vor den Bug kann hilfreich sein, ein Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Das lässt sich derzeit gut am Beispiel der Hamburger Grünen (GAL) belegen. Deren Führungscrew hatte sich gemütlich eingerichtet auf den Senatsbänken. „Bloß keinen Ärger mit der CDU“, lautete das Motto beim ersten schwarz-grünen Experiment auf Landesebene. → weiterlesen
Japanische Wäsche
Wenn man will, kann man alles zur Waffe machen. Halb volle Nudelsoßengläser (wie wütende Italienerinnen sie werfen), Brillen (mit denen Mafiosi wie im „Paten III“ ihre Widersacher meucheln) oder Zahnbürsten, Sandalen und getragene Wäsche. Letztere drei werden vor allem in Hamburg eingesetzt. In jüngerer Zeit ist es beinahe täglich gelungen, mit ihrer Hilfe die Stadt lahmzulegen, und falls das übertrieben sein sollte, so doch wenigstens gefühlte hundert Mal den Hauptbahnhof, und zwar für Stunden. Dabei wurden Zahnbürsten, Sandalen und Wäsche nicht geworfen, die Täter ließen sie einfach fallen. Freilich waren sie eingepackt, Wäsche und Sandalen, und zwar in Koffer. Die ließen die Täter stehen, mit Vorliebe in der Wandelhalle des Bahnhofs, und wandelten versunken in die eigene Gedankenlosigkeit kofferlos von dannen.
Mal handelte es sich womöglich um zerstreute Japaner, dann um fahrige Franzosen, vielleicht war auch mal ein schläfriger Schwede dabei, man weiß es nicht, die Folge aber war immer dieselbe: → weiterlesen
Hamburg – Stadt ohne Kompass
Dass Schwarz-Grün das Leitbild der „Wachsenden Stadt“ abgeschafft hat, erweist sich als Fehler. Vor allem die Wirtschaft beklagt, dass die ausgefeilte Wachstumsstrategie, die dahinter stand, durch den inhaltsleeren Slogan „Wachsen mit Weitsicht“ ersetzt wurde. Anstatt Hamburg mit einem Gesamtkonzept international gut zu positionieren, verkämpft sich der Senat im Klein-Klein und in der Schulreform. Wo er wirklich hin will, scheint er selbst nicht so genau zu wissen.
Dieser Stadt, so scheint es, ist etwas abhanden gekommen. Schleichend, man kann nicht einmal genau sagen, wann es begonnen hat. Aber die Aufbruchstimmung, die die ersten Jahre der Ole-von-Beust-Regierung auszeichnete, hat sich verkrochen irgendwo im herbstlichen Frühnebel zwischen Michel und Rathaus. → weiterlesen
Ungleiche Schwestern in der Beziehungskrise
Seit 20 Jahren sind Hamburg und das nicaraguanische León Partnerstädte. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr aber ist die Beziehung der ungleichen Schwestern in ihre tiefste Krise gerutscht. Weil der neue sandinistische Bürgermeister nur per Wahlbetrug ins Amt kam, hat der Senat die offiziellen Beziehungen auf Eis gelegt. Auch viele Altlinke gehen auf Distanz zu ihren einstmals so romantisch betrachteten Revolutionshelden um den Sandinisten-Präsidenten Daniel Ortega.
In kaum eine internationale Beziehung ist in den vergangenen Jahrzehnten soviel Hamburger Herzblut geflossen wie in die Städtepartnerschaft mit der zweitgrößten nicaraguanischen Stadt León. Erwachsen aus Solidarität mit der Revolution der Sandinisten gegen den Diktator Somoza im Jahr 1979, reichte das Engagement der Hamburger für die Partnerstadt schon bald weit über die einschlägige linke Szene hinaus. 1989 unterzeichnete der damalige Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) das Abkommen zur Städtepartnerschaft.

Schnell wurde die Freundschaft mit der neuen „Schwesterstadt“, wie die Nicaraguaner sagen, durch das Engagement Tausender Hanseaten mit Leben gefüllt. → weiterlesen
Profi im Hühnerstall
Ex-Landeschef, Ex-Innensenator, Ex-Generalsekretär und Ex-Minister Olaf Scholz kehrt als neuer alter Hamburger SPD-Vorsitzender in die Hansestadt zurück. Zunächst ist das für die sadomasochistischen Genossen an Alster und Elbe ein Segen. Schließlich muss endlich einmal ein Profi die egomanen Intriganten in Schach halten, die seit Jahren nichts anderes tun, als die eigene Partei zu ruinieren. Ein echter Neuanfang ist die Rückkehr des vor allem in Niederlagen erprobten x-fachen Ex aber nicht. Ein Kommentar.
Olaf Scholz ist nicht unbedingt ein geborener Gewinnertyp. Unter seinem Landesvorsitz (und zu seiner Zeit als Not-Innensenator) hat die Hamburger SPD 2001 die Macht verloren. Als Generalsekretär der Bundes-SPD musste er die für das Parteivolk schmerzlichen Hartz-Reformen und danach eine unendlich scheinende Kette von Wahlniederlagen verkaufen.
2004 dankte er, glücklos, auch als Hamburger Parteichef ab. Nach dem Beck-Sturz scheiterte er mit seinen Ambitionen, den Bundesvorsitz zu übernehmen. Und nun ist er zusammen mit seinen Genossen als Arbeitsminister mit dem historisch schlechtesten Ergebnis abgewählt worden – trotz erfolgreicher Arbeit, die Deutschland mit dem Kurzarbeitergeld vor horrenden Erwerbslosenzahlen bewahrt hat. → weiterlesen
